Montag, 15. November 2010

KRETA - Paddeltour

Strecke: Südküste Kretas von PALEOCHORA bis AGHIA GHALLINI
Länge: 140 km                                            Begleiter: EGGER Walter
Dauer: vom 20.9.2010 bis 4.10.2010

Meine erste Tour im Meer verlief von Anfang an absolut spannend und aufregend. Schon die Anreise, Flug mit Aegean Airlines über Athen nach Heraklion, bescherte uns Überraschungen: Entgegen den Hinweisen in ihrer Homepage forderte die Airline für das Sportgepäck 110€ zusätzlich für den Hin- und Rückflug. Überdies entdeckten die Griechen in Athen meine Gasflaschen im Gepäck und nahmen sie mir ab. Womit nun kochen? Mit dem großen Gepäck gings dann weiter mit öffentlichen Bussen über Chania nach Paleochora, ganz im Westen der Südküste Kretas. Der 1 km lange Fußweg zum Campingplatz war dagegen vergleichsweise beschaulich.
Campingplatz Paleochora
Gleich nach der ersten Nacht bauten wir unsere Zelte ab und starteten trotz böigem Gegenwind voller Elan. Nach einer Stunde hartem Kampf gegen die Wellen und den Wind und der deutlichen Warnung von einem Fischer beschlossen wir umzukehren. Mit Rückenwind schafften wir die Distanz in 20 Minuten! Also Boote wieder an Land geschafft, zum Campingplatz gezogen und Zelte neuerlich aufgebaut. Die zusätzliche Nacht hat sich gelohnt. Am nächsten Tag wehte zwar immer noch Ostwind aber deutlich schwächer.
Einstieg in Paleochora
Rasch gewöhnten wir uns an die teilweise hohen Wellen. Freilich kamen wir an unsere übliche Tagesleistung nicht heran. Wind, Wellen und vor allem die starke Sonne kosteten uns viel Energie. Übernachtung bei SOUGIA unterm Tarp, einfach genial!  
Fr.24.9. Unser heutiges Ziel ist die Sweetwater Bay. Wir schaffen das auch trotz der widrigen Verhältnisse. Tatsächlich gibt es direkt am Strand Süßwasserlöcher. Wir schlafen wieder unter dem Tarp.  
In der Nacht hat es einmal kurz geregnet. 
Sa.25.9. Nach dem Teefrühstück, hergestellt mit unserem improvisierten Spiritus-Kocher, paddeln wir weiter. Die Wellen sind beachtlich, aber wir kommen gut voran. Am Abend landen wir in Frango Kastello. Wir müssen zwischen den Felsklippen durchsteuern. Ganz schön spannend! Am Strand vor einem Hotel dürfen wir nicht bleiben. Daher übersiedeln wir an eine kleine Bucht vor einer Taverne. Glück gehabt, die Wirtin erweist sich als äußerst freundliche, mütterliche Gastgeberin. Tarpnacht am Strand. 
So. 26.9. Wir starten bei einer starken Brandung und schwindeln uns erfolgreich durch die vorgelagerten Felsklippen. Teilweise sind die Wellen so hoch, daß wir einander nicht mehr sehen können. Ich habe ein mulmiges Gefühl. Nach einem Aufsitzer auf einer Felsplatte und einem schulterhohen Brecher von der Seite ist für mich klar: Dieses Wetter übersteigt unsere Fähigheiten. So gut und schnell es geht steuere ich durch die Klippen und die schweren Wellen. Glück gehabt, wir landen wohlbehalten, mit leichten Kratzern am Kiel in einer Minibucht bei Marias Taverne. 
Beim Bootstransport reißt die Steuerhalterung ab. Gut daß ich ein Reparaturtape mithabe. Wir sind froh, daß wir noch heile Knochen haben und quartieren uns bei Maria's Taverne ein. 25€ fürs Zimmer mit Meeresblick ist ein Geschenk. Den Abend beschließen wir mit einer Bohnensuppe und frittierten Fischen.. Mo.27.9. Das Wetter ist etwas ruhiger geworden. Immer noch tosen die Brandungswellen mit großer Wucht.  
Wir beschließen nach Beratung mit Niko, einem erfahrenen Fischer, weiter zu paddeln. Gleich um die Ecke gibt es eine geschützte Stelle von der aus wir den Start wagen. Es gelingt uns. Die Dünung ist immer noch hoch, aber wir können inzwischen schon ganz gut damit umgehen. Der leichte Wind kann uns nicht wirklich aufhalten, im Gegenteil wir genießen die Abkühlung. Am späten Nachmittag landen wir in Plakias. Unser Quartier schlagen wir zwischen zwei Felsen direkt am Strand auf. Abends verschwinden die Tagesgäste und wir haben die Bucht für uns allein. Zwei Sonnenliegen dienen uns als Bett. Das neue Tarp bewährt sich bei den Temperaturen als luftiges Dach. Di.28.9. Um 8:30 umschiffen wir schon die Klippen, immer mit Respektabstand wegen der Brandung. Eine weite Strecke entlang der Steilküste steht uns bevor. Wir kommen gut voran und steuern schon bald die Bucht mit der Flussmündung von Prevelli an. Der Bach führt klares kühles Wasser. Wir genehmigen uns an der Strandtaverne ein Bier und werden von einem deutschen Ehepaar angesprochen: "Wir sind auch Paddler!" Angeregt tauschen wir unsere Erfahrungen mit den Weitgereisten aus. "Wenn ihr einmal nach Speyer kommt, dann fragt im Paddelklub nach Bernd." verabschieden sich die beiden. Nach einer guten Fahrt landen wir ganz überrascht bereits in Aghios Pavlos. Die Nacht verbringen wir etwas notdürftig in einer einsamen Bucht. In der Nacht zieht ein Gewitter durch und wir gestehen uns am Morgen die nächtliche Sorge ein, wie wir hier im Falle von Schlechtwetter weg kämen, denn der Landweg ist uns versperrt. 
Mi. 29.9. Trockenen Fußes, Dr.Walter meint, das wäre wichtig wegen meiner kleinen Fußverletzung, rauschen wir ab, vorbei am letzten Stück Steilküste. Unsere Landung an einem namenlosen Strand mit drei Schildern "Kein FKK", bleibt unbelohnt. Der Betreiber der kleinen Taverne bedient uns nur mit einem Glas Wasser, da er mit dem Putzen noch nicht fertig sei. Dafür hilft uns ein Landsmann die Boote ohne Wasserung durch die Brandung zu manövrieren. Bald kommen wir in Aghia Ghalini an und finden instinktiv den Wasserweg durch einen schmalen Wasserlauf zum Campingplatz. Der erweist sich als für griechische Verhältnisse recht gut. Ein großer Süßwasserpool, eine Küche und warme Brausen verleihen der Anlage so etwas wie Komfort. Das und ein Restaurant mit preiswerter, bodenständiger Küche lassen uns den Entschluss fassen, hier bis Sonntag zu bleiben. Unser ursprüngliches Ziel Matala hat überdies nur eine Busverbindung, erst um 17:30 am So. nach Heraklion. Zum letzten Mal bauen wir unser Tarp  
auf, putzen und verpacken die Boote und genießen die sommerlichen Temperaturen. Fazit: Das Paddeln im Meer ist einfach ein tolles Abenteuer und lohnt die Mühe. Von der Landschaft darf man sich nicht allzuviel erwarten - Klippen, karge Felsen und dürre Bergregionen wechseln mit malerischen Buchten ab.